Abschied von Petra Strube
Sie teilte mit uns die Leidenschaft für die Pferde und den Reitsport. Als der Reit- und Fahrverein Magdeburg nach der Wende wieder ins Leben gerufen wurde war sie von Anfang an dabei und gehörte wie ihre langjährige Freundin Inge Ulrich zu den Gründungsmitgliedern. Mehrere Jahre war sie auch Vorsitzende des Vereins und setzte sich energisch für sein Fortbestehen in Zeiten ein, als es Bestrebungen gab, diesen zu privatisieren.
Petra war seit über 20 Jahren fester Bestandteil der Dienstagsreiter und nahm an allen Unternehmungen dieser Gruppe aktiv teil. So war sie an dem seit über 25 Jahren stattfindenden Reitwochenende
auf dem Reiterhof Dame in Wahlitz nicht wegzudenken. Wann immer es ihre Gesundheit zuließ war sie auch bis zum Schluß jeden Dienstag im Reitstall und dem anschließenden Abendessen dabei, vergaß
dann natürlich auch nicht, ihren "Gigolo" zu besuchen.
Petra Strube verstarb am 14.03.2025, sie wird immer in unserem Gedächtnis bleiben und uns genau wie Inge Ulrich noch oft bei unseren Unternehmungen als Dienstagsreiter in Gedanken
begleiten.
Vielleicht schauen uns unsere beiden "Grand Damen" Inge und Petra lächelnd dabei zu.
Im Namen aller Dienstagsreiter
Was wünscht man einem
Fünfundneunzigjährigen?
Man kann meinen, dass er schon alles gesehen,
erlebt und durchlebt hat, dennoch hat der Jubilar seine ganz persönlichen Wünsche. Wünsche die wir, seine Mitglieder, ihm erfüllen können.
Am 14.02.1927 war die Geburtsstunde des Reit- und Fahrvereins Magdeburg. Zunächst übten seine ersten Mitglieder den Reitsport in der Herrenkrugstraße, im Bereich des heutigen ehemaligen Straßenbahndepots der Magdeburger Verkehrsbetriebe, aus.
Im Zuge der Erweiterung der militärischen Anlagen musste der Verein weichen und bekam in der heutigen Straße "An den Rennwiesen" ein Areal in Größe von zwei Hektar als Ausgleich. Die Grundsteinlegung der heutigen Reitsportanlage war am 03. November 1935 und am 12. April 1936 fand die Einweihung statt.
In dieser jungen Phase des Bestehens sollte er auch seine Dunkelste durchleben. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden nicht nur die Reiter eingezogen, die Pferde mussten gleichermaßen in den Krieg ziehen.
Durch ein Winterelbhochwasser im Jahr 1941 verlor unser Verein am 18. Februar 18 Pferde, die qualvoll im eisigen Wasser verendeten. 12 Pferde konnten unter größten Einsatz gerettet werden.
Insgesamt kamen 41 Pferde im Herrenkrug in dieser Flutkatastrophe, die durch Eisschollenstaus und in deren Folge Dammdurchbrüche verursacht wurde, um.
Nach dem Ende des Krieges übernahm die Rote Armee die Anlage An den Rennwiesen und wandelte sie u.a. in eine Schweinemastanlage um.
Es sollte noch schlimmer kommen!
Am 12. Februar 1947 erfolgte per Gesetz das vorläufige Aus unseres Reit- und Fahrvereins Magdeburg, denn „Nach dem Gesetz Nr. 2 des Kontrollrats ist der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen mit allen seinen Organisationen für ungesetzlich erklärt und verboten. Der RFV Magdeburg e.V. gehört zu diesen Organisationen und ist deshalb aufgelöst.“
Nun gibt es das Sprichwort „Die Zeit heilt alle Wunden“, aber mit der Zeit verblassen auch die Fußspuren des Reit- und Fahrvereins Magdeburg.
Nur wenige Reitsportler hoffen auf das Erwachen des Vereins, denn jeder Sportler liebt seine Sportart und versucht sie auch zu leben, aber was macht derjenige, dem die Grundlage entzogen wurde?
Nun kann man sagen, dass der Reiter auch in anderen Ställen seine Sportart ausüben konnte und kann. Ja, das hat er gemacht, aber zu Hause ist einmal zu Hause!
Die Ereignisse überschlagen sich und eine neue Zeit hat begonnen. Der einstige Bundeskanzler versprach blühende Landschaften.
Es sollte der Zeitpunkt kommen, an dem sich Reitsportler und Interessierte trafen und den Reit- und Fahrverein Magdeburg wieder zum Leben erwecken wollten.
Der Weg bis dorthin sollte steinig werden, aber die Mühen haben sich gelohnt, denn am 31.05.1995 wurde der Reit- und Fahrverein Magdeburg e.V. offiziell wieder in das Vereinsregister aufgenommen.
Die ersten Mitglieder und Weggefährten der neuen Ära haben sehr viel geleistet, denn unsere Anlage sah zum damaligen Zeitpunkt nicht so aus.
Die Mastviehwirtschaft und Umfunktionierung der Reithalle zur Werkstatt für Panzer und ähnliche Fahrzeuge haben ihre Spuren hinterlassen.
Nur durch den Willen und der Aufbaufreude in der damaligen Zeit konnte die Reithalle und die Stallgassen sowie die Nebengelasse zum neuen Leben für den Reitsport erblühen.
Wir sagen all denen aus vollsten Herzen danke, danke, dass ihr an euch und den Willen, dass der Pferdebreitensport im Herrenkrug eine Zukunft hat.
Die Reitsportanlage und das Konzept standen, die ersten Pferde zogen ein. Hierbei muss erwähnt werden, dass der Jubilar zu dieser Zeit noch keine eigenen Pferde besaß. Diese wurde durch Paul Saib bis zu dessen Tod zur Verfügung gestellt.
Das erste Vereinspferd war Elsa. Sie wurde durch unsere Rentnergruppe aus einem in der Nähe befindlichen Reitsportbetrieb quasi abgeschwatzt und gleich mitgenommen. Wendy folgte Elsa und mit ihr bekam der Reit- und Fahrverein Magdeburg e.V. auch seinen ersten Pferdenachwuchs, denn Wendy war tragend.
Wer bereits länger Mitglied ist, der weiß, dass noch ein Fohlen folgen sollte.
Wie im wahren Leben gibt schöne und traurige Momente, Momente, an denen man sich fragt: warum?
Die Vorstände wechselten sich im Laufe der Zeiten und jeder hatte seine eigene Last zu tragen.
Gegen Naturkatastrophen können wir nichts machen. Wir müssen schnell reagieren, um den Schaden gering zu halten. Beim ersten Hochwasser mit Neubeginn standen die letzten Pferde bereits im Wasser, 2013 hatten wir noch Zeit den Stall „besenrein“ zu hinterlassen, aber dennoch war der Schaden sehr groß. Auch hier möchte ich mich bedanken. Bei denen die einfach da waren und mit anpackten.
Man steht da und weiß nicht wo man anfangen soll. Der höchste Wasserstand lag in unserem Stall bei 2.30 m. Ein Flügel vom Eingangstor hatte sich auf die Reise gemacht und fand den Weg nicht zurück.
Aufgeben, nein!
Wer fällt, der steht auf, wischt sich die Knie sauber und macht weiter.
Jeder hat seinen magischen Moment. In dieser Zeit war es, zumindest für mich, die Heimkehr der Vereinspferde.
Noch standen sie auf den vorderen Paddock. Sobald die ersten Boxen bezugsfertig waren, konnten sie zumindest am Tage, im Stall stehen, denn das Wetter meinte es gut mit uns. Es herrschte schönstes Sommerwetter, sodass der Stall und das Umfeld abtrocknen konnten.
Nicht nur Hochwasser machten den Verein zu schaffen. Unter anderem musste Druse und Sturmschäden überstanden werden.
In den letzten Jahren hat sich der Reit- und Fahrverein Magdeburg e.V. noch einmal neu gefunden und trotzt den Herausforderungen.
Jede überwundene Hürde lässt uns stärker werden, wenn wir die gewonnene Erfahrung richtig auswerten und unsere Arbeit danach ausrichten.
Lieber Reit- und Fahrverein Magdeburg e.V. wir, deine Mitglieder, wünschen dir weitere Jahre vereinsbetriebene Reitsportanlage, neue reitsportbegeisterte Mitglieder und Voltigierer, treue Sportkammeraden und vielleicht auch einmal begeisterte Fahrsportler, denn ein Verein lebt durch seine Mitglieder und den Spaß am gemeinsamen Hobby.
(Verfasserin: K. Breustedt)
Abschied von Inge Ulrich
Pferde und der Reitsport waren ihre Leidenschaft und sie hat diese Leidenschaft gelebt.
Lange galt ihre Vorliebe den Vollblütern und so half sie oft im Rennstall mit und nahm,
wenn man es ihr zutraute und erlaubte, am Morgentraining der Rennpferde teil, natürlich
im Sattel.
Anfang der siebziger Jahre etablierte sich die Reittouristik auf dem Gelände der
Rennbahn und Inge entdeckte nun auch die Vorzüge der Warmblüter für sich. Sie nahm
regelmäßig am Reitunterricht teil und verbrachte mit Gleichgesinnten wundervolle
Reiterferien in Redefin, so oft sie nur konnte.
Als sich der Magdeburger Reit-und Fahrverein nach der Wende neu formierte, war sie auch
hier von Anfang an dabei. 1995 trat dann die Brandenburger Warmblutstute „Lady“ in
ihr Leben, ihr Seelenpferd. Von Inge liebevoll „Luchen“ genannt, entwickelte sich
„Lady“ zu einem sehr zuverlässigen und charakterstarken Reitpferd. Inge und „Lady“ wurden ein tolles Gespann und sie blieben zusammen bis ins hohe Alter. Erst mit 24 Jahren wurde „Lady“ in die Rente nach Potsdam entlassen, wo sie mit 28 Jahren friedlich auf der Weide
eingeschlafen ist. Inge ließ es sich jedoch nicht nehmen, ihr “Luchen“ jedes Jahr in Potsdam
zu besuchen und sich nochmal auf ihren Rücken zu setzen.
Eng verbunden war Inge im Reit-und Fahrverein mit den „Dienstagsreitern“, auch „Lady“ war ein fester Bestandteil dieser Reitergruppe.
Über 20 Jahre verbringt diese eingeschworene
Gruppe regelmäßig ein Wochenende in Wahlitz am Reiterhof Dame. Inge und auch „Lady“ waren oft dabei.
So oft sie konnte war sie auch mit 90 Jahren noch dienstags mit dabei und verfolgte vom Reiterstübchen die Reitstunde ihrer Dienstagsreiter.
Ihr Lachen war ihr Markenzeichen und jeder, der sie kannte,
wird es vermissen.
Inge Ulrich verstarb am 03.01.2020, sie wird mit ihrer unbedingten Liebe und Leidenschaft zum Pferd immer in unserem Gedächtnis bleiben.
Vielleicht trifft sie sich gerade mit ihrem
„Luchen“ auf einer grünen Wiese … warum denn nicht?
(Verfasserin: K. Breustedt)
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